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Es lebe das Fasten!


Das Fasten hat eine lange Tradition in vielen Weltkulturen und -religionen. Aber wusstest du, dass Fasten tatsächlich älter ist als die Menschheit selbst? 


Tiere mussten seit Anbeginn ihrer Existenz teilweise auf ihre Nahrung verzichten. Für einige Stunden, über Tage sogar bis hin zu einem ganzen Winter. Tiere sind und waren auf Nahrung angewiesen. Wenn es keine gab, wie z.B. in den Wintermonaten, mussten sie fasten. 

Das erging den ersten Menschen sehr ähnlich. Wenn es nichts zu Sammeln gab oder die Jagd nicht erfolgreich war, mussten die Menschen Essenspausen einlegen.


Fasten in der Antike:


Überlieferungen zufolge verzichteten jedoch bereits die ersten Naturvölker und Hochkulturen, wie z.B. die Griechen oder Ägypter, bewusst auf ihre Nahrung bzw. bestimmte Nahrungsmittel. Es galt die Sinne zu schärfen und der Gesundheit zu dienen.

Schon Hippokrates - der berühmteste Arzt seiner Zeit und einer der Väter der modernen Medizin - erkannte die therapeutische Wirkung des Fastens um 400 v. Chr. und mahnte: “Wenn die Krankheit auf ihrer Höhe ist, dann muss die knappste Nahrungszufuhr erfolgen.” Außerdem galt Übergewicht bereits im antiken Griechenland als gesundheitliches Risiko.  Deswegen riet Hippokrates seinen damaligen Mitmenschen pro Tag nur eine Mahlzeit zu sich zu nehmen.


Fasten in der Neuzeit: 


Der Theologen Niklaus Brantschen drückt es für unsere Gegenwart so aus: “Wir Geistlichen können uns von der Medizin inspirieren lassen, wie man gesundheitlich richtig fastet – und die Ärzte können von uns lernen, dass Fasten auch eine spirituelle und sozialpolitische Dimension hat und wie diese Dimensionen auch in der Moderne entwickelt und gelebt werden können”. Fasten bedeutet also nicht nur der Verzicht auf Nahrung. Meditation, Gebete, der starke Wille, oder einfach bewusst anderen in dieser Zeit etwas Gutes tun. All das kann ein wichtiger Teil der Fasten-Dynamik sein.

In den Weltreligionen entwickelte sich das Fasten also schon vor tausenden Jahren zu einem festen Bestandteil. Die Menschen damals fasteten, um Buße zu tun oder ihrem Gott näher zu sein. In einigen Kulturen und Religionen galt Fasten sogar als tugendhaft.

Aber wie sieht es heute aus? Gibt es überhaupt Religionen, die das Fasten beibehalten haben?


Fasten und Religion:


Christen, Muslime, Hindus, Buddhisten, Juden, Kopten, Bahai, Orthodoxe - das alles sind verschiedene Religionen und einige davon hast du vielleicht noch nicht ein mal gehört. Doch sie alle verbindet eins in Ihrem Glauben: Das Fasten.


Bereits vor mehr als 4000 Jahren verzichteten Hindus an bestimmten Tagen im Jahr auf Nahrung. Buddha war sowohl gegen Hunger, als auch gegen Völlerei und empfahl bereits vor rund 2500 Jahren, an einem Tag im Monat gänzlich zu fasten, sowie täglich nach dem Mittag nichts mehr zu essen. In der Tora, dem ersten Teil der hebräischen Bibel, wird Jom Kippur (der Versöhnungstag) erstmalig erwähnt. Es gilt als Ursprung des Fastens und geht vermutlich zurück auf das Jahr 539 v. Chr.

Im 2. Jahrhundert nach Christus fasteten viele Christen 2 Tage an Ostern, um sich so auf das bevorstehende Fest vorzubereiten. Dass Muslime während des Ramadan fasten, ist allgemein bekannt. Der Fastenmonat Ramadan hat seinen Ursprung im Jahr 624. Das war ein Jahr, nachdem Mohammed nach Medina ausgewandert ist und sich mit seinen Anhängern dem Aschura-Fest der dort ansässigen Juden anschgeschlossen hatte. Das Aschura-Fest begingen die Juden anlässlich des Versöhnungstages und fasteten von Sonnenuntergang bis zum Abend des nächsten Tages. 


Dies sind nur angerissene historische Fasten-Einblicke der bekanntesten Religionen. Es macht jedoch deutlich, dass das Fasten eine lange Tradition in den verschiedenen Weltreligionen hat. 


Fasten im Buddhismus und Hinduismus

Weder im Hinduismus noch im Buddhismus gibt es festgeschriebene Fastenregeln. Enthaltsamkeit und reduzierte Nahrungsaufnahme werden als Vorbereitung zur Meditation genutzt, denn weniger zu essen ebnet beim Meditieren den Weg zu innerem Frieden und der Erleuchtung. Es geht unter Anderem darum, Ursachen von Leid zu überwinden, beispielsweise Egoismus. Im Allgemeinen lehrte Buddha den Weg der Mitte - weder Völlerei noch gänzlicher Nahrungsverzicht vereinen sich mit seinen Lehren. Buddhistische Mönche und Nonnen fasten daher auf ihre eigene Art: Ab zwölf Uhr mittags wird nichts mehr gegessen - eine traditionelle Form des Intervallfastens. 


Dennoch gibt es im Buddhismus neben monatlichen Fastentagen den höchsten Feier- und Fastentag: das sogenannte Vesakh-Fest. Es wird am ersten Vollmondtag im Mai oder Juni gefeiert. Buddhisten auf der ganzen Welt feiern dann Geburt, Erleuchtung und Tod Buddhas. Viele Menschen fasten zu Vesakh und kleiden sich ganz in Weiß. Sex, Alkohol und Fleisch sind an diesem Tag tabu.


Auch im Hinduismus wird gefastet - jedoch nicht zu festen Zeiten. Ähnlich wie im Buddhismus geht es um die Überwindung des Irdischen, also Schmerz und Leid und um Erleuchtung. Für Mahatma Gandhi dagegen war Fasten als Hungerstreik ein Mittel des gewaltlosen politischen Widerstands.


Christentum

Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit der Christen. Bis Ostern verzichten sie 40 Tage lang, um Gott näher, und selbst zur Ruhe zu kommen. Diese Tradition geht zurück auf eine biblische Geschichte, in der sich Jesus 40 Tage lang in die Wüste zurückzieht und fastet. Allerdings haben auch der Mittwoch und der Freitag im Christentum eine Fastentradition. Mittwochs wurde gefastet, weil Judas Jesus an diesem Wochentag verraten hat und Freitage erinnern an die Kreuzigung Jesu. Diese Tradition ging jedoch weitgehend verloren. Brauchtum vieler Christen ist aber heute noch, freitags kein Fleisch zu essen in Gedenken an Jesus Christus. 


Auch die Adventszeit stand seiner Tage im Zeichen des Fastens. Diese Zeit diente als Vorbereitung auf das Weihnachtsfest und spielt heutzutage eine eher untergeordnete Rolle beim Fasten.


Im Gegensatz dazu erlebt die vorösterliche Fastenzeit von 40 Tagen einen neuen Aufschwung. Viele gläubige Christen, aber auch Christen ohne strengen Glauben, nutzen diese Zeit, um sich von Lastern zu befreien. Dazu gehören unter anderem der Verzicht auf Fleisch, Zigaretten, Naschereien, Alkohol oder soziale medien - besser bekannt als “Social Media Detox”. Fasten bedeutet also auch, wieder bewusster zu leben!


Judentum 

Der wichtigste Fastentag der Juden ist Jom Kippur - der Versöhnungstag. An diesem Tag gilt für Juden in aller Welt „Faste nie länger als 25 Stunden am Stück“. An Jom Kippur gilt: Kein Essen, Trinken, Zigaretten und Sex. Außerdem wird sich nicht gewaschen und die Arbeit niedergelegt - der Körper wird durch die Sühne am Jom Kippur von allen Sünden reingewaschen. An Jom Kippur geht es daher nicht einfach “nur” um Verzicht, sondern vor allem darum, Unrecht wiedergutzumachen und mit sich, seinen Mitmenschen und Gott ins Reine zu kommen. 


Einer von 5 weiteren Fastentagen ist Tischa beAv. Nach Jom Kippur ist es der wichtigste Fastentag im jüdischen Kalender. An diesem Tag verzichten gläubige Juden auf Nahrung und Wasser, in Gedenken an einschneidende Ereignisse in der jüdischen Geschichte. 


Islam 

Für Muslime ist das Fasten eine der fünf Säulen des Islams und damit ein göttliches Gebot. Das Datum des Ramadan verschiebt sich jedes Jahr, da er sich am islamischen Mondjahr orientiert. Der Ramadan findet im zwölften Monat des Mondjahres statt. Wenn der Ramadan in den Sommer fällt, haben es vor allem diejenigen schwer, die in sehr heißen Regionen leben. Opfer zu erbringen ist also ein Teil des Ramadans und Fasten steht mit Buße in Verbindung. Die Seele soll gereinigt und die Beziehung zu Gott gefestigt werden. Schwangere, Kranke und Kinder sind im Islam vom Fasten ausgeschlossen. Für diejenigen, die nicht fasten dürfen oder sollten, gilt jedoch den Armen zu helfen und z.B. Almosen zu geben. 


Auch im Ramadan gilt für gläubige Muslime die Devise: nicht essen, nicht trinken und nicht rauchen. Und zwar 30 Tage lang, jeweils zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Das abendliche Fastenbrechen hingegen findet dann in größeren Gruppen statt. So wird die Gemeinschaft gestärkt und der Alltag der Muslime synchronisiert. Gastfreundschaft und Almosen für die Armen haben während des Ramadans eine große Bedeutung. 


Exkurs: Fasten - der Gesundheit zuliebe 


Fasten kennt viele Formen und Traditionen. Im Hinblick auf die Gesundheit, ist Heilfasten DAS Schlagwort. In den 1920er Jahren gingen die ersten Fastenkliniken mit angebotenen Heilfasten-Programmen an den Start. 100 Jahre später - und das Fasten ist so relevant, wie nie zuvor. 


Mit Blick auf die Gesundheit - ganz ohne religiösen oder spirituellen Hintergrund - geht es beim Heilfasten um die Reinigung des Körpers durch Nahrungsentzug. Pionier in dieser Methodik war der deutsche Arzt Otto Buchinger. Unter seiner Aufsicht ließ er Patienten bei nur 250 Kalorien Nahrungsaufnahme pro Tag bis zu drei Wochen fasten – mit Obst- und Gemüsesäften. 


Fasten passiert im Körper. Dieser körperliche Prozess und die Fähigkeit des Menschen zu Fasten, hat unsere Spezis bis heute gesichert. Fasten wurde den Menschen auferlegt: In Kriegszeiten, schlechter Ernte, Naturkatastrophen, sowie Epidemien, musste phasenweise gehungert werden.

Die Natur fastet quasi während der Winterpause. Auch in der Tierwelt wird in erstaunlichen Variationen gefastet: Während des Winterschlafs wird geschlafen, 

Zugvögel legen beachtliche Strecken ohne Nahrungsaufnahme zurück, Pinguine fasten bis zu 6 Monate pro Jahr bei bis minus 60 Grad, um während dieser Zeit Eier zu legen und in die Mauser zu gehen. 


Freiwilliges Fasten, im Gegensatz zum Hungern, bewirkte beim Menschen körperliche, aber auch seelische Veränderungen im Sinne einer Wendung nach Innen. Deswegen wurden Zeiten der Nahrungsenthaltung von beinahe allen Religionen zur Vorbereitung des Gebetes genutzt oder dem Gott näher zukommen. 


Die Renaissance des medizinischen Fastens


In den USA waren es Ärzte wie Henri Tanner, der in New York mit einem 42-tägigen Fasten Furore machte. Er vertrat die Meinung, dass man Kranke mit fieberhaften Infekten nicht überernähren sollte: Die Verdauungsvorgänge würden dabei zu viel „vitale Energie“ den Heilungsprozessen entziehen.

Edward Hooker Dewey thematisierte die  therapeutischen Wirkungen des Fastens und leitete zwischen 1878 und 1905 zahlreiche Fastenkuren. Die damalige Schulmedizin lehnte Dr. Dewey ab. Angeblich mangelte es an wissenschaftlicher Objektivität in seinen Büchern. Sein Einfluss auf die Kollegen in Frankreich und der Schweiz war jedoch ebenso groß wie der in den USA. Herbert Shelton, selbst kein Arzt, war Mitglied einer Reformbewegung „Natural Hygiene“. Eine Weiterentwicklung dieses Konzepts wiederum ist das weitreichend bekannte und erfolgreiche “Fit for Life”.


Und heute ? 


Der Schulterschluss von Wissenschaft und Religion


Die Fasten-Ursprünge liegen Jahrtausende zurück und unterlagen damals strikten Regeln. Dank neuesten medizinischen Erkenntnisse, sowie schrittweisen Lockerung religiösem Brauchtums der letzten Jahrhunderte, kommt das Fasten heute zwanglos mit freiem Willen und großer Überzeugungskraft daher. Ganz nach Niklaus Brantschen “Fasten ist tot, es lebe das Fasten.” 


Menschen besinnen sich wieder auf ihre Ursprünge und üben sich vermehrt in Achtsamkeit und Verzicht - zumindest für eine bestimmte Dauer. Ein erster Schritt zu einer gesünderen und achtsamen Welt.

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